Die Geschichte der Seifenblasen

Blasenförmige Gebilde sind bereits seit Urzeiten bekannte Phänomene. Man kann sie in der Natur immer wieder beobachten, z. B. in Form von Wasserblasen, deren Auftreten allerdings flüchtig und nicht rekonstruierbar ist.

Dies ändert sich mit der Erfindung der Seife durch die Sumerer im 3. Jahrtausend vor Christi. Bereits in jener frühen Hochkultur muss das bunte Farbenspiel der Seifenblasen aufgefallen sein, das beim Zusammentreffen von Wasser und Seifenmolekülen entsteht – langanhaltend und unterhaltsam.

Ein exakter Zeitpunkt, ab dem die Seifenflüssigkeit eigens zu Spielzwecken gemischt, in ein Schälchen abgefüllt und mit einem Extra- Blasrohr zur Blasenerzeugung ausgestattet wurde, ist schwer zu datieren. Anhand von Beschreibungen in der Literatur, in Spielbüchern und -sammlungen, vor allem aber mittels Bildmaterialien lässt sich die Geschichte der Seifenblasen jedoch weit zurückverfolgen.

bouteilles-de-savon     blowing-soap-bubbles     karel-dujardin-allegory

 

Seifenblasen als Kinderspiel belegen Bildquellen zuverlässig im Spätmittelalter. In der religiösen und weltlichen Malerei, in Grafiken sowie auf Familien- und Kinderporträts dieser Zeit finden sich zahlreiche Darstellungen des Seifenblasen-Spiels. Ab diesem Moment findet man durchgängig über alle Jahrhunderte hinweg Zeugnisse aus unterschiedlichsten Bereichen der Kultur: in der religiösen Ikonographie, in Moral- und Lehrbüchern, auf Buchumschlägen, in Ornamenten, auf Postkarten, in der bildenden Kunst, auf Bilderbögen, in Physikbüchern, in Karikaturen, im Zirkus, in Redensarten, im Liedgut, in der medizinischen Rehabilitation, im Fastnachtsbrauchtum, in der Werbung und anderem mehr.

grabstein
In jedem dieser Bereiche kommt der Seifenblase und dem Spiel mit ihr eine spezielle Bedeutung zu. Neben der Farbenpracht, der ästhetischen Schönheit, der Faszination und dem physikalischen Phänomen an sich besitzt sie als Symbol für Vergänglichkeit große Bedeutung. Die Analogie „Zerplatzt wie eine Seifenblase“ wird oft zur Darstellung der Vergänglichkeit menschlichen Lebens, weltlicher Güter, von Liebe, Macht, Schönheit, Reichtum und Versprechungen herangezogen.

Der besondere Reiz im Spiel mit den Seifenblasen liegt im Zusammenwirken eigener Aktivität und fasziniertem Beobachten begründet. Die Seifenblase in der Luft ist dabei ein sichtbarer Bewegungseffekt, der vom Spieler wiederholt erzeugt und vom Spieler selbst sowie anderen bestaunt werden kann.

So genannte Effektspiele wie das Seifenblasen-Spiel mit einer weiten Spannbreite an Aktion und Emotion sind für alle Altersstufen interessant. Freuen sich Kleinkinder an der reinen Wahrnehmung, so tritt bei den Älteren der Aspekt des Selbermachens, der eigenen Aktivität und Geschicklichkeit in den Vordergrund. Der Spaß daran reicht bis zum herausfordernden Wettkampf im Rahmen einer Vorführung mit Publikum und der Veranschaulichung naturwissenschaftlicher Grundprinzipien, wie z. B. Schwerkraft oder Oberflächenspannung.

Dadurch fordert und fördert das Seifenblasen-Spiel verschiedenste menschliche Anlagen:

  • Sensomotorische Fähigkeiten = Geschicklichkeit und Wahrnehmung
  • Kognitive Erfahrungen = physikalische Grundgesetze
  • Soziales Verhalten = Interaktion – Zusehen, Fangen, Wettkampf mehrerer Kinder